Programm SALCOS bei der Salzgitter AG

Stahl fast ohne CO2: Transformation im laufenden Betrieb

Die Transformation kommt aus dem industriellen Kern selbst, doch ohne IT geht nichts: Mit dem Programm SALCOS will Stahlkonzern Salzgitter AG die Herstellung von Blechen oder Stahlträgern zukunftsfähig machen. Thorsten Schulz vom internen IT-Dienstleister SZDS ist dafür verantwortlich, den grundlegenden Umbau der Produktion von Seiten der Informationstechnologie zu begleiten.

Von Nicolas A. Zeitler

Stabsstelle: klingt wichtig, ganz oben aufgehängt. Und doch musste Thorsten Schulz von der Stabsstelle SALCOS in dem gleichnamigen Programm bei Stahlkonzern Salzgitter vor vier Jahren erst mal um Sichtbarkeit kämpfen. Sogenannter „grüner Stahl“ soll in Salzgitter ab 2027 produziert werden. „Bei dem langen Vorlauf hieß es anfangs manchmal: Wofür brauchen wir jetzt schon IT?“ erinnert sich Schulz. Mittlerweile ist die Kommunikation eingespielt, die IT sitzt bei allen wichtigen Themen mit am Tisch.

Und das voraussichtlich noch eine ganze Weile: Wenn nächstes Jahr der erste Rohstahl aus dem neuen Elektrolichtbogenofen läuft, ist SALCOS längst nicht abgeschlossen. Das Programm wird sich bis weit in die 2030er Jahre ziehen.

Die Abkürzung SALCOS steht für „Salzgitter Low CO2 Steelmaking“. Ziel ist, Stahl künftig mit 95 % weniger CO2-Ausstoß herzustellen. Das geschieht auf einer komplett neuen Produktionsstraße, die auf freien Flächen auf dem Werksgelände in Salzgitter entsteht. Außer dem erwähnten Ofen gehören dazu eine Elektrolyse- und eine sogenannte Direktreduktionsanlage.

Neue Produktion läuft an – alte läuft erst mal weiter

Sind die in Betrieb genommen, wird die traditionelle Stahlerzeugung nicht mit einem Schlag gestoppt, der Hochofen ausgemacht. Vorgesehen ist ein schrittweiser Übergang. Für die IT eine Herausforderung, sagt Schulz. Aber mit eigenen Bordmitteln – Rechenzentrumsleistung, Beschäftigte bei der Salzgitter Digital Solutions (SZDS) – zu stemmen.

Thorsten Schulz und die IT-Teams müssen bei der Transformation flexibel bleiben. Denn politische und wirtschaftliche Ungewissheiten machen den Umbau nicht durchgängig planbar. Erst im Herbst hat Salzgitter bekanntgegeben, nächste Ausbaustufen von SALCOS um drei Jahre zu verschieben. Der Ansatz des Mannes von der Stabsstelle: schrittweise neue Prozesse aufsetzen, alte so anpassen, dass sie mit den neuen harmonieren, und vor allem „immer modular denken“.

Bei CIOmatch am 21. April auf der Hannover Messe berichtet Thorsten Schulz am Stand der Salzgitter AG vom Stand des Umbauprojekts.

Thorsten Schulz, Stabsstelle SALCOS

„Bei der Transformation müssen wir modular denken“, sagt Thorsten Schulz, Stabsstelle SALCOS bei Salzgitter Digital Solutions, mit Blick auf den langen Zeitrahmen.