Abhängigkeit von Microsoft beenden

Marco A. Zimmer neuer CIO in Winterthur

Heute geht’s nach Winterthur in die Schweiz. Dort hat Marco A. Zimmer am 1. Juli 2026 die CIO-Funktion für die Stadt übernommen. Seine wichtigste Aufgabe: Winterthur aus der digitalen Abhängigkeit von Microsoft & Co. befreien.

Von Heinrich Vaske

Die Schweizer wollen ihre proprietäre Software schrittweise loswerden und weitestgehend auf Open Source (OSS) setzen. Bei neuen IT-Projekten und der Softwarebeschaffung prüfen sie künftig immer erst, ob eine OSS-Alternative infrage kommt. Nur wenn es die nicht gibt, darf auf Software mit geschlossenen, lizenzpflichtigen Quellcodes zurückgegriffen werden.

Städte wie Bern und Zürich sowie diverse Bundesbehörden sind ebenfalls dabei, ihre Abhängigkeiten von den US-Tech-Giganten zu verringern. Ein Grund sind die hohen Kosten, ein anderer ist die Notwendigkeit, die strengen europäischen und schweizerischen Datenschutzvorgaben einzuhalten.

Auch in Deutschland tut sich viel: Auf Landesebene zeigt sich Schleswig-Holstein als Vorreiter. Dort stellt die Landesregierung gerade 30.000 IT-Arbeitsplätze der Verwaltung auf einen „digital souveränen Arbeitsplatz“ um. Microsoft Office wird durch LibreOffice ersetzt, Windows durch Linux. Für E-Mail, Kalender und Collaboration kommen Nextcloud, Open-Xchange und Thunderbird zum Einsatz.

München ist auch wieder in Bewegung: Die Stadt war zunächst Vorreiter, dann abschreckendes Beispiel. Die Bayern mussten ihr von viel medialem Lärm begleitetes „LiMux“-Vorhaben 2017 wieder einstampfen und reumütig zu Microsoft zurückkehren, weil hochspezialisierte Fachanwendungen nur auf Windows-Systemen liefen und ein Wechsel zu teuer und kompliziert geworden wäre.

Die neue Münchner Regierungskoalition hat nun wieder eine Kehrtwende vollzogen: OSS wird zum Standard bei allen künftigen Software-Beschaffungen der Stadt. Neben dem Wunsch nach digitaler Souveränität quält die Stadt der enorme Sparzwang. Durch den Verzicht auf teure Microsoft-Lizenzgebühren sollen langfristig Millionen eingespart werden.

Neben München sind auch Berlin und Dortmund stark engagiert, sie bilden die „Open Source Big 3“. Anders als früher gehen Länder und Städte heute professioneller mit der Migration um. Sie tasten sich schrittweise und mit massiven Schulungsprogrammen voran.

Zudem unterstützt der Bund mit seinem Zentrum Digitale Souveränität (ZenDiS). Es hat Ende 2024 die Office-Alternative openDesk in der Version 1.0 veröffentlicht, einen voll ausgestatteten, digitalen Arbeitsplatz für Behörden, der direkt im Webbrowser läuft und bundesweit ausgerollt werden soll. Er bündelt u. a. Collabora Online, Nextcloud, OpenProject und Matrix/Jitsi unter einer Oberfläche.

Selbst auf dem Sprung oder von einem CIO-Wechsel erfahren? Dann gerne Heinrich Vaske benachrichtigen!

Marco A. Zimmer, Stadt Winterthur

Marco A. Zimmer (Foto: Marco Zimmer; Quelle: Marko Wächter Photography.jpg)